Individuelle Parodontitis-Behandlung mit Autovaccinen

Individuelle Parodontitis-Behandlung mit Autovaccinen

Unter Parodontitis, die umgangssprachlich auch als Parodontose bezeichnet wird, versteht man eine bakteriell bedingte Entzündung des Zahnhalteapparats. Nicht nur eine mangelhafte Mundhygiene und die Bildung von Zahnstein, sondern auch orale Mikroorganismen können die Infektionskrankheit auslösen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Erkrankung zu behandeln. Am häufigsten greifen Zahnärzte auf Antibiotika zurück. Diese werden ergänzend eingesetzt, nachdem Beläge mechanisch entfernt und die Mundhygiene optimiert wurde. Allerdings vertrauen immer mehr Patienten auf alternative Behandlungsmethoden. Dazu gehört neben einer Therapie mit ätherischen Ölen auch der Einsatz von Autovaccinen.

Alternativmethode zur Parodontitis-Behandlung seit über hundert Jahren bekannt

Die Autovaccin-Therapie wurde zu Beginn des vorigen Jahrhunderts erstmalig wissenschaftlich beschrieben. Die erste Arbeit zu dem Thema erschien 1902. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges publizierten west- und osteuropäische sowie amerikanische Forscher rund 400 Studien zu dieser mikrobiologischen Kurmöglichkeit. Die Grundlage dafür bilden die Arbeiten von Sir Almroth Wright. Ursprünglich forschte er zu einer Impfung gegen Typhus. In diesem Zusammenhang kam ihm die Idee, abgetötete Mikroorganismen für therapeutische Zwecke zu nutzen, anstatt sie nur zur Prävention von Infektionen einzusetzen.

Durch die Einführung von Antibiotika, die als Wunderwaffe gegen Infektionskrankheiten gefeiert wurden, geriet das alternative Heilverfahren zunächst wieder in Vergessenheit. Unverträglichkeiten und zunehmende Resistenzen gegen moderne Antibiotika führten mittlerweile dazu, dass die Methode eine Renaissance erlebt.

Individual-Arzneimittel wird aus körpereigenen Erregern angefertigt

Werden Parodontitis-Erreger nachgewiesen, gilt der Einsatz von Parovaccinen, einer Sonderform der Autovaccine, als erfolgversprechend. Zunächst wird ein Abstrich aus den infizierten Zahnfleischtaschen angefertigt und in ein Labor geschickt. Dort werden die Erreger isoliert, gezüchtet und anschließend mittels eines spezifischen Verfahrens inaktiviert sowie weiterverarbeitet. Die Therapie ist patientenspezifisch, d. h. die Parovaccine werden aus den spezifischen Bakterien des jeweiligen Patienten angefertigt. Die Herstellung des Individual-Arzneimittels dauert in der Regel etwa vier Wochen.

Die im Labor bearbeiteten, inaktiven Bakterien werden dem Erkrankten schließlich wieder in hohen Dosen verabreicht. Autovaccine können oral eingenommen, in die Haut eingerieben oder vom Arzt unter die Haut gespritzt werden. Parovaccine, die bei Parodontitis zum Einsatz kommen, tröpfelt sich der Patient unter die Zunge. Mittels Sprühaufsatz kann die Lösung auch im Mundraum verteilt werden.

Autovaccin-Behandlung ist nebenwirkungsarm und schont die Mundflora

Die menschliche Mundhöhle beherbergt ca. 500 unterschiedliche Bakterienarten, die einen sogenannten Biofilm bilden. Darunter gibt es ungefähr 20 Erreger, die eine Parodontitis verursachen können. Die Bakterien zerstören über Toxine und Stoffwechselprodukte wie z. B. Ammoniak, die sie ausscheiden, das umliegende Gewebe und rufen zusätzlich Entzündungsreaktionen hervor. Zur Bekämpfung der Erkrankung müssen die Parodontitis-Erreger gezielt angegriffen werden, ohne den komplexen Biofilm zu zerstören und die natürliche Mundflora zu beeinträchtigen.
Die Autovaccin-Therapie leistet genau das. Sie ist gut verträglich und hat kaum Nebenwirkungen.

Im Gegensatz zu Antibiotika töten Parovaccine nicht großflächig Bakterien ab, sondern sie stimulieren die Eigenregulation des Immunsystems und unterstützen die gezielte Abwehr der Erreger. Somit erfolgt eine therapeutische Immunisierung. Die Zusammensetzung der sensiblen Mikroflora im Mundraum wird dabei nicht verändert. Außerdem ist nicht mit Resistenzen zu rechnen, da die Lösung keine Toxine zur Bekämpfung der Bakterien, sondern den Parodontitis-Erreger selbst enthält.

Parovaccine bilden preiswerte Alternative zur Antibiotika-Anwendung

Die Methode ähnelt folglich einer Impfung. Allerdings dient sie nicht der Vorbeugung der Erkrankung, sondern wird als Heilimpfung zu deren Therapie eingesetzt. Die im Labor veränderten Bakterien beeinflussen das Immunsystem des Erkrankten positiv. Wissenschaftliche Fallstudien belegen sogar, dass die damit behandelten Patienten weniger anfällig für eine erneute Infektion sind.

Die Behandlung dauert ca. drei Monate. Die Dosierung wird während dieser Zeit langsam erhöht, um die Immunabwehr anzuregen. Die Anwendung kann beliebig oft wiederholt werden, sollten sich die Befunde verschlechtern. Verglichen mit einer Antibiotika-Verabreichung ist der Einsatz von Parovaccinen kostengünstig und nebenwirkungsarm. Aufgrund dieser Vorteile vertrauen immer mehr Parodontitis-Patienten dieser Alternativtherapie.


Im letzten Beitrag haben Sie erfahren, was Ölziehen als alternative Therapieform bei Parodontitis bedeutet. Gerne können Sie sich auch über allgemeine Themen rund um Paradontitis, den Verlauf der Krankheit und die Behandlungsmöglichkeiten in unserer Praxis informieren.