Warum Mundhygiene in der Schwangerschaft so wichtig ist

Warum Mundhygiene in der Schwangerschaft so wichtig ist

Das Thema Zahngesundheit steht für werdende Mütter oft nicht ganz oben auf der Agenda. Was viele nicht wissen: Gerade während der Schwangerschaft ist eine umfassende Mundhygiene besonders wichtig. Dem sorgfältigen Zähneputzen sollte jetzt noch mehr Zeit gewidmet werden. Aufgrund hormoneller Umstellungen ist das Zahnfleisch zudem besonders anfällig für Entzündungen. Bleiben diese unbehandelt, stellt das ein ernstzunehmendes Risiko für das Baby und seinen erfolgreichen Start ins Leben dar. Und auch mütterliche Kariesbakterien sind für den heranwachsenden Nachwuchs nicht ungefährlich.

Häufige Säure-Angriffe schädigen Zahnoberflächen

Vor allem in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft leiden viele werdende Mütter an Übelkeit und häufigem Erbrechen, gegen Ende der Schwangerschaft dann an unangenehmem Sodbrennen. Dadurch gelangt jedes Mal überdurchschnittlich viel Magensäure in den Mundraum – und das kann die Zähne dauerhaft schädigen. Kommt ein Zahn mit Säure in Kontakt, wird zunächst dessen Oberflächenschicht angegriffen. Durch chemische Prozesse erweicht diese Schicht und kann bei sofortigem intensiven Zähneputzen buchstäblich „weggeschrubbt“ werden. Damit ist einer Erosion der Zähne Tür und Tor geöffnet.

Um dies zu vermeiden, sollten Schwangere nicht sofort nach Erbrechen, Sodbrennen oder auch nach dem Verzehr stark säurehaltiger Lebensmittel ans Werk gehen, sondern erst nach etwa 60 Minuten ihre Zähne putzen. In der Zwischenzeit haben die im Speichel enthaltenen Mineralien genug Muße, die erweichten Oberflächen erfolgreich zu reparieren. Um schnellstmöglich den unangenehmen Geschmack loszuwerden, ist das Spülen mit Wasser, fluoridhaltigen Lösungen oder auch mit Milch erste Wahl.

Unbehandelte Parodontitis begünstigt Frühgeburten

Entzündungen des Zahnfleisches sind immer unangenehm, werden aber aufgrund ihrer Verbreitung häufig als Bagatell-Erkrankungen abgetan. Bleiben diese jedoch unbehandelt und entwickelt sich daraus eine Parodontitis – eine bakteriell bedingte Entzündung des Zahnhalteapparates – kann das gerade in der Schwangerschaft gefährlich werden. Denn: Zahnfleischentzündungen bei der werdenden Mutter sind ein Risikofaktor für das ungeborene Leben.

So steigt zum einen die Gefahr, dass der Nachwuchs zu früh auf die Welt kommt. Mehrere wissenschaftliche Studien konnten belegen, dass eine bestehende Parodontitis-Erkrankung der Mutter das Risiko einer Frühgeburt um das Siebenfache erhöht. Das entzündete Zahnfleisch entsendet ständig bakterielle Giftstoffe in die mütterliche Blutbahn, und das kann z. B. vorzeitige Wehen auslösen. Zum anderen können unbehandelte Entzündungen im Mundraum und die daraus erwachsenden Infektionsgefahren auch zu einem niedrigeren Geburtsgewicht des Kindes führen.
Daher empfehlen Mediziner werdenden Müttern, ihrem Zahnarzt häufiger einen Besuch abzustatten – während der Schwangerschaft mindestens zwei Mal. Außerdem wird geraten, sich noch sorgfältiger der Mundhygiene zu widmen, da das Zahnfleisch nun empfindlicher für Entzündungen ist.

Das heißt: häufiger die Zähne putzen, zusätzliche Hilfsmittel wie Zahnseide verwenden und auch den Zahnzwischenräumen noch mehr Aufmerksamkeit widmen als sonst. Auch die Inanspruchnahme einer Professionellen Zahnreinigung (PZR) durch den Zahnarzt – wenn möglich gleich am Anfang der Schwangerschaft – unterstützt das Bemühen um eine optimale Mundhygiene. Damit erhält sich die künftige Mutter nicht nur ihre gesunden Zähne, sondern wirkt vor allem präventiv möglichen Risiken für ihr Kind entgegen.

Mütterliche Karies kann sich auf den Nachwuchs übertragen

Medizinische Studien haben Überraschendes zu Tage gebracht: Leidet eine schwangere Frau an Karies, kann sich dies auf das Neugeborene übertragen. Eine diesbezüglich bestehende Erkrankung sollte daher vor der Geburt des Kindes unbedingt behandelt werden, sonst könnten entsprechende Bakterien das Baby infizieren. Kariesverursachende Erreger können nämlich über den Speichel von Mutter, Vater oder Oma in den Mund des Säuglings gelangen und die gerade im Aufbau befindliche Mundflora nachhaltig schädigen. Deshalb sollte der Brei-Löffel, der Fläschchen-Aufsatz oder auch der heiß geliebte Schnuller ausschließlich dem Mund des Kindes vorbehalten bleiben, um nicht die mütterlichen Kariesbakterien zu übertragen. Ein vorheriges Abspülen mit Wasser minimiert die Ansteckungsgefahr deutlich.

Unglücklicherweise ist die Gefahr, an Karies zu erkranken, in der Schwangerschaft besonders hoch: So bewirken veränderte Hormone eine herabgesetzte Speichelproduktion – und Speichel geht auf natürliche Art und Weise gegen Bakterien im Mundraum vor. Außerdem spült er Nahrungsreste aus den Zahnzwischenräumen. Veränderte Ernährungsgewohnheiten bei Schwangeren wie eine verstärkte Lust auf Süßes und Saures als auch die oben beschriebenen, aus der häufigen Übelkeit resultierenden Säure-Angriffe tragen ebenfalls zu einer erhöhten Karies-Anfälligkeit bei. Um den so wichtigen Speichelfluss in Gang zu halten, ist der Griff zum Kaugummi eine wirksame Möglichkeit.


Im nächsten Beitrag lesen Sie, warum eine gesunde Ernährung während der Schwangerschaft auch unter dem Aspekt der Zahngesundheit für Mutter und Baby gleichsam wichtig ist.