Zahnzusatzversicherung: Was bringt diese Form privater Vorsorge?

Zahnzusatzversicherung: Was bringt diese Form privater Vorsorge?

Um vor den Risiken des Alltags besser geschützt zu sein, sorgen immer mehr Menschen privat vor und schließen diverse Zusatzversicherungen ab. Diese gibt es inzwischen für fast alle Eventualitäten des Lebens. Die Zahnzusatzversicherung ist sicherlich eine der nützlichsten. Zahngesundheit ist ein wichtiges Gut und Zahnersatz ausgesprochen teuer.

Da gesetzliche Krankenkassen dafür ausschließlich einen festen Zuschuss gewähren und dieser oft nur einen Teil der Zahnarzt-Rechnung abdeckt, macht der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung durchaus Sinn. Die Entscheidung für solch eine private Police sollte jedoch gut durchdacht sein.

Was versteht man unter einer Zahnzusatzversicherung?

Krankenzusatzversicherungen werden immer bei einer privaten Versicherung abgeschlossen und kommen für bestimmte Leistungen auf, welche die Träger der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nicht oder nur teilweise übernehmen – da sie über die medizinische „Grundversorgung“ hinausgehen. Dies gilt auch für eine Zahnzusatzversicherung. Sie übernimmt je nach Vertragsumfang-Leistungen in den Bereichen Zahnersatz (z. B. Einsatz von Brücken oder Implantaten), Kieferorthopädie (z. B. Korrektur von Fehlstellungen) und Zahnbehandlung bzw. -prophylaxe (z. B. professionelle Zahnreinigung). Davon abgegrenzt werden „klassische“ Zahnersatzversicherungen älteren Typs, die ausschließlich Zahnersatzleistungen umfassen.

Im Zuge diverser Gesundheitsreformen gewährt die GKV für ihre Patienten derzeit nur noch einen festen Zuschuss für die notwendige Zahnersatzbehandlung. Dieser gesetzlich fixierte Betrag wird anhand des zahnmedizinischen Befundes bestimmt und deckt häufig nur einen Teil der Kosten, die der Zahnarzt später in Rechnung stellt. Um hohe Ausgaben abzumildern und gleichzeitig eine optimale Versorgung sicherzustellen, ist ein ergänzender Privatschutz in Form einer Zahnzusatzversicherung sinnvoll.

Diese Police kann bei einer Vielzahl von Versicherungsgesellschaften abgeschlossen werden und kostet durchschnittlich zwischen fünf und 40 Euro im Monat. Über 300 verschiedene Zahnzusatzversicherungstarife existieren auf dem deutschen Markt. Das Leistungsspektrum als auch das verwendete Tarifsystem unterscheiden sich zwischen den Anbietern teilweise beträchtlich. Selbst für Experten ist es schwierig, die Lage noch zu überblicken.

Was kann eine Zahnzusatzversicherung leisten?

Umfragen haben ergeben, dass jeder achte Einwohner in Deutschland Zahnlücken in Kauf nimmt, da er die Kosten für den notwendigen Zahnersatz nicht stemmen kann. Und die sind beträchtlich: Für eine hochwertige Zahnprothese wie z. B. ein Implantat sind gut und gern 2900 Euro fällig. Geregelt sind die Preise für zahnmedizinische Leistungen in der offiziellen Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Im Rahmen der medizinischen „Grundversorgung“ übernimmt die GKV je nach Diagnose und Pflege des legendären Bonusheftes zwischen 40 und höchstens 65 Prozent der anfallenden Kosten. Die Differenz muss jeder Versicherte als Eigenanteil selbst aufbringen.

Hier setzt die Zahnzusatzversicherung an. Im Bereich Zahnersatz existieren zwei verschiedene Berechnungsmodelle: Während einige Policen auf dem genannten Festzuschuss basieren und noch einmal maximal 100 Prozent dazuzahlen – sie verdoppeln quasi die Leistung der gesetzlichen Krankenkassen – orientiert sich die Mehrzahl der Versicherungsgesellschaften am endgültigen Rechnungsbetrag und trägt nach Leistungen gestaffelt bis zu 90 Prozent der tatsächlich angefallenen Kosten. Angenommen ein Zahnimplantat verursacht Kosten in Höhe von 2900 Euro, kommt der Versicherte beim zweiten Modell finanziell deutlich besser weg.

Neben der gewünschten Reduzierung des Eigenanteils bei erforderlichen zahnärztlichen Maßnahmen stellt die Zahnzusatzversicherung eine optimale Behandlung nach neusten Erkenntnissen sicher, die über die Regelversorgung hinausgeht. Will man hochwertigere Keramik-Füllungen statt die von der GKV bezahlten Amalgam-Plomben oder aufwändige, festsitzende Brücken statt herausnehmbarer Prothesen, sollte man mit einer Zahnzusatzversicherung vorsorgen. Die Mehrkosten für diese weitergehenden Leistungen übernimmt dann zu einem Großteil die private Police. Hält man die Standardlösungen im Rahmen der Regelversorgung für ausreichend, benötigt man den Zusatzschutz nicht unbedingt.

Wann sollte eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen werden?

Für eine Zahnzusatzversicherung entscheidet man sich am besten, wenn Zähne und Zahnfleisch noch gesund und größere Versorgungen erst in fernerer Zukunft geplant sind. Für bei Abschluss des Vertrages bereits bestehende Zahnschäden kommen die Versicherungsgesellschaften meistens nicht auf. Zudem erhalten Versicherte bei der Mehrzahl der Anbieter erstmals drei bis acht Monate nach Vertragsabschluss Leistungen aus der privaten Police.

Statistiken zeigen, dass die Notwendigkeit von Zahnersatz steigt, wenn das 35. bis 40. Lebensjahr erreicht ist. Experten sehen dann einen günstigen Zeitpunkt, eine Zusatzpolice abzuschließen. Mit zunehmendem Alter wächst das Risiko ausfallender Zähne. Sich bereits als Kind bzw. Jugendlicher für eine Zahnzusatzversicherung zu entscheiden, macht dagegen kaum Sinn: Hier zahlt man jahrelang Beiträge, nimmt aber im Normalfall noch keine Leistungen in Anspruch.

Indes wächst die Anzahl der Menschen, die einen privaten Zahnzusatzschutz abschließen, immer weiter. Seit dem Jahr 2005 ist die Zahl der Versicherungsverträge in diesem Sektor um über 80 Prozent gestiegen. Das beweist einmal mehr den – notwendigen und auch politisch gewollten – Trend zu mehr privater Vorsorge in unserer Gesellschaft.


Im nächsten Beitrag lesen Sie, welche Arten von Zahnzusatztarifen existieren und warum die Vor- und Nachteile der einzelnen Versicherungsangebote vor allem vor dem Hintergrund der individuellen Bedürfnisse abgewogen werden sollten.