Zahnzusatzversicherung: Wie entscheidet man sich für die richtige?

Zahnzusatzversicherung: Wie entscheidet man sich für die richtige?

Die kaum noch überschaubare Ausgestaltung der Tarife macht die Entscheidung für eine bestimmte Zahnzusatzversicherung nicht leicht. Jede private Police birgt Chancen und Risiken. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Arten von Zahnzusatztarifen existieren und warum die Vor- bzw. Nachteile der einzelnen Angebote vor allem vor dem Hintergrund der individuellen Lebenssituation abgewogen werden sollten – nachdem man sich durch den Dschungel ein- bzw. ausgeschlossener Leistungen und unterschiedlicher Bezugsgrößen bei der Berechnung gekämpft hat.

Die zwei Arten von Zahnzusatztarifen

Grundsätzlich werden bei Zahnzusatzpolicen zwei Varianten unterschieden: Tarife nach Art der Schadenversicherung und nach Art der Lebensversicherung. Hauptunterscheidungsmerkmal ist die Kalkulation der monatlichen Beiträge. Bei dem häufiger vorkommenden Tariftyp nach Art der Schadenversicherung steigen die Monatsbeiträge mit zunehmendem Lebensalter stetig an. Das heißt: Für jüngere Kunden ist der Einstieg in diese Form der Zahnzusatzversicherung finanziell recht günstig. Dies kann in einem Lebensabschnitt, in dem der Geldbeutel eher klein ausfällt, ein Vorteil sein. Mit fortgeschrittenem Alter erhöht sich der Beitrag, da keine Altersrückstellungen gebildet werden. Ein klares Plus dieser Variante ist die große Auswahl an verschiedenen Angeboten.

Zahnzusatztarife nach Art der Lebensversicherung bilden hingegen von Anfang an Altersrückstellungen und sind zunächst teurer – da ein kleiner Teil des monatlichen Beitrages für spätere Zeiten zurückgelegt wird. Für Jüngere mit wenig Einkommen ist dies eine Hürde, Kunden im höheren Lebensalter ist dafür dann ein finanzielles Polster sicher. Die Höhe des Startbeitrages ist vom Alter des Versicherten bei Vertragsbeginn abhängig, eine altersabhängige Steigerung wie bei der ersten Variante gibt es somit nicht.

Beiden Tariftypen gemein ist die Tatsache, dass durch Kostensteigerungen im Gesundheitssektor jederzeit mit einer Anpassung bzw. Erhöhung des Beitrages gerechnet werden muss. Insofern ist ein im Versicherungsvertrag fixierter Monatsbeitrag bzw. dessen planmäßige Steigerung nicht in Stein gemeißelt. Welche Tarifart über einen längeren Zeitraum gesehen stabilere Beiträge aufweist, können selbst Experten noch nicht beantworten.

Sorgfältige Vergleiche bringen Klarheit

Bei der Auswahl der „richtigen“ Police ist neben dieser grundsätzlichen Tarifgestaltung auf etliche Details zu achten. Die Höhe des monatlichen Beitrages – entsprechende Online-Portale bieten dafür Beitragsrechner und ähnliche Vergleichsinstrumente an – sollte definitiv nicht das einzige Kriterium bleiben. Jedem Versicherten muss klar sein, dass auch durch die Inanspruchnahme einer Zahnzusatzversicherung nicht sämtliche Kosten der notwendigen Behandlung abgedeckt werden. Der maximale Prozentsatz liegt bei 90 Prozent, oft sind es weniger.
Im Kleingedruckten steht, auf welche Größe sich der angegebene Prozentsatz bezieht.

Im Idealfall ist das der Gesamtrechnungsbetrag, einige Zahnzusatzpolicen orientieren sich aber auch am festen Zuschuss der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Dann wäre der noch zu leistende Eigenanteil deutlich höher. Außerdem sollten Kunden darauf achten, dass die Auszahlung aus der privaten Police nicht von möglichen Erstattungen seitens der GKV abhängig gemacht wird.

Des Weiteren ist ein sorgfältiger Vergleich des angebotenen Leistungsumfangs sinnvoll. Fundierte Untersuchungen der Stiftung Warentest können bei dieser schwierigen Entscheidungsfindung helfen. Sie hat z. B. im Jahr 2014 genau 189 Zahnzusatzpolicen auf dem deutschen Versicherungsmarkt auf Herz und Nieren getestet und festgestellt, dass sich deren Leistungsniveau in den vergangenen Jahren erheblich gesteigert hat.

Dabei sollte das Portfolio über die Standardleistung Zahnersatz deutlich hinausgehen und sowohl kieferorthopädische als auch zahnprophylaktische Behandlungen wie die professionelle Zahnreinigung mit einbeziehen. Die Wirksamkeit einer regelmäßigen professionellen Zahnreinigung (PZR) durch den Zahnarzt wurde bereits nachgewiesen und empfiehlt sich gerade nach Zahnersatzbehandlungen. Auch die Versorgung mit Inlays – meist aus Keramik bestehende, langlebige Festkörper, die anstatt der üblichen Zahnfüllung zum Einsatz kommen – schließen einige Policen komplett aus ihrem Leistungskatalog aus.

Der Komplettschutz tritt nicht sofort in Kraft

Wichtig ist, sich frühzeitig um den Abschluss einer leistungsstarken Zahnzusatzversicherung zu kümmern. Dies hat seinen Grund: der volle Versicherungsschutz greift bei fast allen Policen erst nach drei bis acht Monaten Wartezeit. Damit wollen die Versicherungsgesellschaften vermeiden, dass ein Patient kurz vor Beginn einer ohnehin geplanten Behandlung eine Zahnzusatzpolice abschließt und diese nach der Mindestlaufzeit wieder aufkündigt. Doch es gibt Ausnahmen: Bei einigen Versicherern entfällt die Wartezeit. Das kann, je nach Lebenssituation, Vorteile bringen.

Die erste Zeit nach Vertragsabschluss kann der Versicherte in der Regel zunächst nur Auszahlungen in einer bestimmten Höhe und nur für ausgewählte Leistungen erwarten. Zudem legen einige Zahnzusatzversicherungen für die ersten Jahre Obergrenzen fest, welche Beträge erstattet werden (sogenannte Summenbegrenzungen). Dies gilt vor allem für jene Anbieter, die mit Leistungen ab dem ersten Tag werben. Die Dauer der Beschränkung ist in den Allgemeinen Vertragsbedingungen nachzulesen, bei manchen Policen ohne Wartezeit können das bis zu sechs Jahre sein. Nur bei unfallbedingten Behandlungen entfallen diese Begrenzungen.


Im nächsten Beitrag lesen Sie, ob der Abschluss einer Zahnzusatzversicherung auch noch bei bereits diagnostizierten Zahnschäden oder gar einer laufenden Behandlung möglich ist.